Abend der Pösie

3. Februar 2003


Inhalt

Vorwort

Es begab sich vor gar nicht all zu langer Zeit, dass - aus später nicht mehr vollständig nachvollziehbaren Gründen - im Lande des Hirtenhundes ein geradezu fanatischer Dichterwettstreit ausbrach, dem wir einen unschätzbaren Fundus zeitgenössischer Poesie zu verdanken haben. Im folgenden werde ich nicht nur versuchen, die Hintergründe der damaligen Geschehnisse zu analysieren, sondern auch auf einige Gedichte und ihre Entstehungsgeschichte eingehen.

Der Autor weist darauf hin, dass Zitate selbstverständlich vollständig aus dem Zusammenhang gerissen wurden, um den Leser nicht unnötig zu belasten. Die Gedichte wurden lediglich um offensichtliche Rechtschreibfehler bereinigt, weitere Korrekturen fanden nicht statt.

Die Anfänge

Alles begann, als ein Teilnehmer - zu ergründen, um wen es sich handelt sei dem geneigten Leser zur Übung überlassen - in einem Anflug geistiger Umnachtung begann, seinen aktuellen Gemütszustand in Verse zu giessen:

Die Axt saust durch helles Hirn,
zerfetzt was einst ein Mensche war,
der Tod gibt macht, es ist vollbracht.
Tausend Tode für den Feind,
nur weil er dass Falsche meint
Hass soll leben, Erde beben,
und niemand mehr dass Falsche reden.

Selbstredend entbrannte sofort ein Streit um den besten Poeten, und so war eine Auseinandersetzung unvermeidlich. Lediglich die Frage des Themas war noch zu klären:

<debugger> sag n thema, dann dicht ich. aber sag nicht,
<debugger> ich haette dich ned gewarnt
<Torti> Die Stellung der frau in der Gesellschaft?
<Torti> Waere das ein akzeptables Thema?
<Lars> das dumme ist Krieg und gewalt ist auch mein Lieblingsthema
<Lars> und da ist rule auch furchtbar stark
<Lars> also lieber was lustiges
<Lars> Gedichte ueber Nieli oder Janna waeren sehr lustig

Ob dies wirklich lustig enden würde, darüber machte sich zu diesem Zeitpunkt noch niemand wirkliche Gedanken. Zumindest war aber ein Thema gefunden, dessen Potential Anlass zur Hoffung gab. Auch ein Schiedsrichter wurde berufen

Torti wuerde ja Schiri spielen, geht aber gleich kochen.
und so konnte der Wettstreit beginnen...

Positive Gedichte über Frauen

Den Anfang machte meine Wenigkeit mit folgendem einfachen, aber doch aussagekräftigen Stück im bewährten aabbcc Schema:

Willst einen guten Film du drehen,
musst du zu der Kerstin gehen.
Als zügelloses Arbeitstier
schafft sie daran, und sei's bis vier.
Und das Ergebnis ist sodann,
was, was sich sehen lassen kann.

Dieser Werk wurde nach kurzer Diskussion als den Ansprüchen genügend anerkannt. Und trotz einiger Anfangsschwierigkeiten

<Lars> reimt sich eigentlich irgendwas auf Nieli?
wurden wir bald Zeuge eines weiteren Kleinodes abendländischer Kultur:
Ein Nilpferd ist ein faules Tier,
nur nicht Nieli, die lernt stier.
So lernt sie den den Ganzen tag,
als obs kein morgen geben mag.
Am Ende ist sie ganz geschafft,
und jammert im IRC mangels Kraft.
So treibt sie ohne Ziel und Sinn
langsam nach Kanada dahin.

Diese erfolgsversprechenden Ansätze wurden nur durch den tragischen Verlust von Torsten getübt.

Torti schmeisst den Schiri-Job hin...
<Lars> ich brech hier ab und "ubergeb mich
<debugger> na wengistens, das meinst du redlich
Aber nun war die laufende Maschinerie nicht mehr zu stoppen, und so verfasste ich folgende kleine Ode an Janna:
Tief im Norden, im schönen Buchholz,
ward geborn - und der Vater war stolz,
eine Frau namens Janna,
und beim hören von ``Mana''
konnt man spürn, wie ihr Herz dahin schmolz
Achtung: Ich bin gesetzlich verpflichtet auf folgenden Sachverhalt hinzuweisen: Sollten Sie im Besitz einer amtlichen, unbefristeten Merkbefreiung von mindestens Klasse II sein, so sollten Sie vom Lesen dieses Gedichtes absehen. Es handelt sich hierbei um einen sogenannten Limerik. Limeriks verwenden ein asymetrisches Reimschema, welches von dem weiter oben verwendeten aabbcc stark abweicht. Dies kann bei merkbefreiten Personen zu einer starken Beeinträchtigung beim Verstehen des Gedichts führen. In Einzelfällen können auch gesundheitliche Schäden nicht völlig ausgeschlossen werden.

Auch von Seiten Lars' möchte ich hier ein Gedicht über Janna veröffentlichen, in dem er es wieder auf eindrucksvolle Weise schafft, Liebe und Tod zu vereinigen.

Das blonde Haar umrahmt,
was man von Engeln ahnt,
und die Nase glüht im roten Ton,
und die Augen leuchten schon.
Der erste Drink und nach zwei
dann ist die Rücksicht einerlei,
so tanzt sie in den Stiefeln rot,
bis zu meinem kleinen Tod.

Später sollten weitere Gedichte über Frauen folgen, einige davon bei weitem nicht so positiv und bewundernd, wie es hier der Fall war.

Politische Gedichte

Durch Zufall fanden an selbigem Tag Landtagswahlen statt, womit sich eine einzigartige Plattform für politische Gedichte bot. Neben schwungvollen Einzeilern, wie

<Torti> Die CDU in Niedersachsen
<Torti> ist ueber sich hinaus gewachsen.
<Torti> Mist, EOC
<Torti> (End of creativity)

kamen wir in den Genuss von Franks Werken:

Der Koch der gewinnt in Hessen,
Der Hesser verdient nen Koch,
die SPD kriegt tierisch was auf die Fressen,
Ihr werded sehn was er uss unsrem Hessen mocht....

Und auch Lars liess sich natürlich nicht lumpen, und steuerte seine ganz persönliche Abrechnung mit dem politischen System in Deutschland bei:

Der Koch der kleine Demagoge,
hat sein Lebtag auch nur geloge.
Und das grösste Lügnerschwein,
wird am Ende Sieger sein.
Das Volk das applaudiert,
und der dumme Koch stolziert.

Ich denke, dass eine Kritik an der Gesellschaft noch selten in Gedichtsform so ausdrucksvoll zur Geltung gebracht wurde.

Weitere Gedichte über Frauen

Leider zeigten sich einige wenige der bedichteten Frauen äusserst undankbar, und wussten die ihnen zu Teil gewordene Ehre nicht zu schätzen. Ich versichere, dass man von diesem kleinen Teil nicht auf die grosse Masse schliessen kann.

<Nieli> ihr habt schon genug geschleimt fuer heut abend
<Nieli> ein bisl holprig oder
Auch wenn dieses Verhalten partiell dadurch zu erklären ist, dass die betreffende Person nicht mit Lob umgehen kann, und sich nur in feindseeligen Umgebungen wirklich wohl fühlt, so kann es trotzdem nicht entschuldigt werden. Und so kam, was kommen musste. Auf einen Vorschlag von Lars hin
<Lars> es geht auch fies
<Lars> genau
entsprangen die folgenden ausgefeilten Worte meiner Feder:
Das Nielpferd, das ist faul und dumm,
bringt nix zustand, treibt sich herum,
ist dick und fett und ausserdem,
von nahem nicht schoen anzusehn.
Und auch die Zaehne sind nicht echt,
vom Anblick nur wird einem schlecht,
Ja, übertroffen wird das nur,
von dem Gestank der Kreatur.
Was soll man sonst zu Nieli sagen,
der Mundgeruch schlägt auf den Magen,
und reisst sie auf ihr grosses Maul,
was auch sie sagt, es ist nur faul,
sie lästert, lügt und provoziert,
und all das gänzlich ungeniert.
belästigt und beleidigt Leute,
was sie bis jetzt auch nie bereute.
Die Kochkünste sind schlichtweg kläglich,
die Tischmanieren unerträglich.
Auch beim Charakter muss man fragen:
wie kann ein Mensch sowas ertragen?
Drum geb den guten Rat ich gern,
haltet euch von der Nieli fern.
Erspart euch Kummer, Ärger, Sorgen,
in einem nielpferdfreien morgen.

Dieses Gedicht gab zwar Kerstin ihren inneren Frieden zurück, doch erschien in diesem Moment Caro, um wurde prompt von Frank mit diesem kleinen Ständchen empfangen:

Sind die Schweizer noch so klein,
und ihr Herz auch garnicht rein,
manchmal sind sie doch ganz fein,
besonders wenn Mann ist allein.

Unglücklicherweise war ich noch derart von meinem letzten Werk beeinflusst, dass Caro nun völlig unschuldig (nach der umfangreichen Konsultation eines Wörterbuches) von folgenen Zeilen getroffen wurde:

Die Caro aus der schönen Schweiz,
man sieht es immer wieder,
stösst nicht nur ab durch ihren Geiz,
sie riecht auch nicht nach Flieder.

Dies war auch mit den nächsten - wie ich meine durch seinen Schmalz bestechenden - Limerik nicht wieder gutzumachen, insbesondere, da dieses Reimschema im kommunistischen Ausland offenbar unbekannt ist.

Es kam her eine Frau aus Lausanne,
die sofort Tobys Herz auch gewann.
Ich schrieb ihr ein Gedicht,
führte sie hin zum Licht,
und sieh da, eine Freundschaft begann.

Doch auch der Beitrag von Lars zum Thema Caro soll hier nicht unerwähnt bleiben:

Die Schweizerin, die ist so zart,
und redet auch noch so apart,
es lebe auch ihr süsser Akzent,
der sie von uns so kräftig trennt.
Sie redet viel und redet schnell,
denkt langsam und ist ziemlich hell.
Der Toby ist ihr ganz verfallen
und kann nur noch ihren Namen lallen
So streben wir zu deiner Pracht,
zu Caro die so herzlich lacht.

Immerhin der einzige, der Caro ein

<Caro> Wie sueueueueueueueueueueuess!!! :)))
entlocken konnte.

Gedichte über Männer

Schon aus Gründen der Emanzipation sollen hier nun zwei kleine Meisterwerke aus der Feder von Kerstin veröffentlicht werden. Das erste Gedicht ist ein Versuch, die unterschwellige Kritik am oft unverständlichen Verhalten des anderen Geschlechts in einer allgemeinverständlichen Form der Masse zugänglich zu machen. Die hier abgedruckte Version ist aus dem Orginal nach einmaligen Durchlauf durch den RVE (Rule Versmass Enhancer) entstanden.

Männern kann man nicht vertraun,
sie wolln dir auf den Busen schaun.
Sie sagen meist, dem sei nicht so
und schaun dir dabei auf den Po.
Männer sind auch nicht so schlau,
und achten nur auf Körperbau.
Drum Mädel sei gut auf der Hut,
weil er dich sonst verarschen tut.

In diesem Gedicht ist, so denke ich viel tiefe Wahrheit versteckt. Von einer ganz anderen - einer weniger ablehnenden, sondern eher positiven, ja bewundernden - Natur ist das folgende Gedicht, entstanden in enger (jede zweite Zeile) Zusammenarbeit mit Frank und meiner Wenigkeit.

Der Schafy ist ein toller Mann,
der gerne zeigt das was er kann.
er ist der Schwarm aller Fraun,
die ehrfurchtsvoll hoch zu ihm schaun.
er ist unser großer Held,
der dich in den Schatten stellt.
er macht sie alle glücklich,
ich sag das ganz ausdruecklich.

Dieses Werk blieb leider unvollständig, da an dieser Stelle ein Streit über den Charakter des Gedichts, den der Verfasser, das Leben als solches und noch das eine oder ander was ich vergessen habe losbrach. Möge dieses Werk den Lebenden zu Mahnung dienen.

Gedichte übers Essen

Nachdem unser Schiedsrichter erfolgreich von seinem Essen zurückgekehrt war, wurd uns folgender Erguss zuteil:

Torti hat zu viel gegessen,
denn er hatte sich vermessen.
Bei dem Wiegen der Zutaten,
nahm er zu viele Tomaten.
Sein Magen ist nun dick und schwer,
und er kann nix tippen mehr.

Dies wurde sofort von Toby, mit seinem ersten Gedicht in diesem Wettkampf gekontert:

Heut abend gab es Crepe,
das fand ich ziemlich nett,
es gab davon sehr viel,
so in richtig grossem Stil,
drum bin ich jetzt sehr fett.

Über die daraufhin entstandene Diskussion des Begriffes ``fett'' in Zusammenhang mit dem Wort ``jetzt'', sowie des Abdriften derselben ins Chaos, decken wir hier besser den Mantel des Schweigens.

Anmerkung zu Limeriks

Auf Grund eines Studienaufenthals in Irland waren bei bestimmten Teilnehmern die sogenannten Limeriks sehr beliebt. Hier ein Beispiel:

Ich sitze hier und trink ein Guinness,
daran sieht man genau: ich bin es.
Das Zeug schmeckt mir auch richtig gut,
und auch der Alk geht schnell ins Blut.
hör ich nicht auf, passiert was Schlimmes.

Da diese Art des Dichtens wiederholt von einer nicht näher genannten Teilnehmerin unverstanden blieb, formulierte ich folgendes Sätze als Versuch, ihr diesen Sachverhalt in einem allgemein verständlichen Reimschema nahezubringen:

Die Kerstin, die ist sehr beschraenkt,
und nicht durch den Verstand gelenkt.
Ein Reimschema, das schlichtweg nicht
dem Altgewohnten hier entspricht,
ist nicht bereit sie zu begreifen
und tut sich daher drauf versteifen,
dass falsch es sei und ohne Wert,
doch weiss die Welt: Dies ist verkehrt!
Denn kennt er sie nicht, lang von Dauer,
frisst Reimschemata nicht der Bauer.

Nachwort

Müde bin ich, geh zur Ruh,
decke meinen Bierbauch zu.

beginnt ein altes Volksgedicht. Die Tradition der Schlafgedichte ist lang, und wird hier von Frank fortgesetzt, der Lars ein Gedicht widmet:

Der Lars der ist so ein faules Schwein,
springt er jetzt ins warme Bettchen rein,
nein er wird zum blutgen Schlachter wern,
denn das ist was ihm Glueck beschern.

Auch ich möchte nun schliessen mit dieser Dokumentation des Abends der Pöten. Wir konnten an diesem Abend viel neues lernen und entdecken, es wurden unschätzbare Erfahrungen gemacht, und das deutsche Kulturgut um einen - wie man wohl ohne zu übertreiben sagen darf - essentiellen Teil ergänzt. Ich hoffe, dass ich dem Leser hier einen kleinen Eindruck von den wegweisenden Geschehnissen vermitteln konnte, und ich möchte jedermann anregen, selber an diese fruchtbare Tradition anzuknüpfen. Wenn auch nur ein einziger aus diesem bescheidenen Text etwas mitnehmen konnte, so hat sich der Aufwand gelohnt.

Über dieses Dokument ...

Abend der Pösie

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The translation was initiated by Rudolf Haeussermann on 2003-02-03


Rudolf Haeussermann 2003-02-03